Journalisten sind Korinthenkacker. Sie untersuchen jedes Wort auf seine Rechtmäßigkeit und die ordnungsgemäße Verwendung. Sie machen das, um dem Gegenüber ein lesenswertes Produkt liefern zu können. Dieser Prozess begegnet einem auch im Journalismus-Studium. Kurz gesagt: Ich bin nicht Journalismus-Student, ich bin Korinthenkack-Azubi. Und das ist gut so.
Journalismusprofessoren haben die Aufgabe, Texte in ihrer Gesamtheit zu verzehren, sie zu verdauen, über sie nachzudenken und sie dann wieder hochzurülpsen. Manchmal duften die Rülpser dann nach Rosengarten, das mag der Journalismus-Student. Manchmal hat das Lüftchen aber auch das Aroma einer Jauchegrube, was den Journalismusstudent zum Nachdenken bringen sollte. Bei mir war in den letzten Wochen meist zweiteres der Fall: Texte liefen mir nicht so von der Hand, wie ich es wollte und ich hatte die Seuche am Kugelschreiber. Für meine Texte erntete ich (gerechtfertigte) Kritik. Viel zu stark war ich fokussiert auf all die Tipps, Regeln und Verbote, die mir in den letzten Monaten eingetrichtert wurden. Jeder Beistrich wurde seziert, jedes Wort hinterfragt. Und als ich da so fröhlich vor mich hin korinthenkackte, passierte unbemerkt das, was leider unumgänglich war: Ich verlernte das Schreiben.
Dagegen sollte ich etwas tun. Damit die Professoren-Rülpser wieder mehr nach Rosengarten riechen. Und – noch wichtiger – damit ich wieder meinen eigenen Qualitätsansprüchen gerecht werde. Deswegen hänge ich nun einige Duftbäumchen auf, die das Jauche-Aroma vertreiben sollen:
- Duftbäumchen 1: Ich werde meine Texte vermehrt analog schreiben – also ganz klassisch mit Zettel und Stift. Facebook, Skype, Twitter und der ganze Kram auf meinem Computer lenken mich zu sehr ab und sind ein ziemlicher Produktivitätskiller. Sie führen zu unglaublich kurzen Konzentrationsphasen. Eine Entwicklung, die meinen Texten alles andere als gut tut. Weg damit!
- Duftbäumchen 2: Ich werde meinen Medienkonsum verändern. Ich will nicht mehr immer und überall die Neuigkeiten aus der großen weiten Welt erfahren und mich von der Nachrichtenlawine überrollen lassen. Die Nachrichten werden ab sofort nur noch morgens und abends (bewusst) konsumiert. Das verringert Stress und liefert mehr Zeit für wichtigere Dinge.
- Duftbäumchen 3: Ich werde mehr Lesen. Und ich meine richtiges Lesen von richtiger Literatur mit richtiger Hingabe. Nicht das überhastete überfliegen von Zeitungen und Magazinen, um ja nichts Neues zu verpassen. Ich werde mir also einfach mehr Zeit für gute Bücher gönnen. Das nächste Buch: Clemens J. Setz – Von Söhnen und Planeten.
- Duftbäumchen 4: Ich werde mir das Feedback der Lehrenden zu Herzen nehmen. Ich werde den neuen Input verarbeiten. Ich habe vieles dazugelernt in den letzten Wochen – jetzt muss ich mir Zeit nehmen, dies noch zu verinnerlichen. Damit ich, wenn ich groß und stark bin, der beste Berufskorinthenkacker von allen werde.
Das ist also der Plan für meine “Aromatherapie”. Und bald ist dann alles wieder im Lot. Schreiben ist ja doch wie Radfahren, das verlernt man nicht. Und irgendwann rülpsen sie dann Schmetterlinge.











